Bei der Vorstellung der Projekte im September 2009:
Gerhard Schwarz, Anja Oschwald, Vincenzo Baviera, Peter Klein



Neue Standorte, Künster und Objekte

Bilder: Jutta Binner-Schwarz/Wolfgang Hofmann




Anja Oschwald  im "Pärkle am Kloster"

Ihr Kunstwerk, welches nun das Pärkle am Kloster schmückt, fertigte Sie aus einer Linde welche an der Kreuzung Hauptstraße / Kalvarienbergstraße ihr Domizil hatte. Der Baum musste der Stadtsanierung im Jahr 2009 weichen, der Stamm fand über Umwege zu Frau Oschwald. Sie wiederum erkannte darin einen ersten Bezug zu Stühlingen.

"Die Skulptur versucht eine ausgewogene Statik mit größtmöglicher Dynamik darzustellen, verbunden und verknüpft durch eine Linie, die aufsteigend aus einer fassbaren Starre in eine rhythmische Bewegung übergeht. Diese dynamische Schleife zieht sich bis ins befreiende Unendliche. Aus diesem Grund erinnert diese Form an eine liegende Acht, das Symbol der Unendlichkeit. Das Ende bedeutet immer zugleich einen Neuanfang.", so beschreibt die Holzbildhauerin ihr Werk.

Die weiß lakierte Skulptur lädt nun in der ruhigen Umgebung des "Pärkle" zum Betrachten ein, einem Moment des Verweilens.

              

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Vincenzo Baviera an der Ortseinfahrt vor dem Bahnübergang

Der in CH- Beggingen lebende Schweizer Architekt und Bildhauer Vincenzo Baviera arbeitet seit 30 Jahren im Bereich der Kunst im öffentlichen Raum.

Seine aus Stahl gefertigte Arbeit besteht aus zwei Halbkugeln, welche in unterschiedlichen Durchmessern aus Rohr gefertigt und mit gleichmäßigem Abstand ineinander gestellt sind. Diese Grundkonstruktion bildet die Basis für ein Objekt, welches im laufe der kommenden Monate nach und nach gefüllt werden soll. Vincenzo Baviera sucht da zu schweißbare Gegenstände aus Handwerk, Landwirtschaft, Industrie, Haushalt, Garten, Verkehr (Bahn, Straße etc.) und dergleichen mehr! Schön wäre es, wenn die Gegenstände einen historischen Hintergrund
oder einen direkten Bezug zur Arbeit oder dem Leben der bisherigen Eigentümer oder der Region haben. So entsteht ein Gesamtkunstwerk, welches bis zu seiner endgültigen Fertigstellung einem ständigen Prozess der Veränderung unterliegen wird.

Es entsteht eine aus Eisen gefertigte Chronik der Stadt Stühlingen und ihrer Menschen.


Vincenzo Bavieras Kunstwerk "Erinnerungen" Am Bahndamm



Im Vordergrund die eingeschweißte Stellwelle des ehemaligen Wehrs an der Stühlinger Schraubenfabrik

Grundidee:

Die Zukunft liegt in der Erinnerung

Jon Mathieu, ein Historiker, schreib in seinem Buch „Bauern und Bären“, Geschichte des Unterengadins: „Nur wer Geschichte hat, hat Boden unter den Füssen“. Diese Feststellung war sehr plausibel und dennoch etwas Besonderes für mich. Ich begann zu sinnieren und zu entwerfen, wie sich Geschichte verarbeiten
liesse. Als nun die Organisatoren von Streetsart Stühlingen an mich traten, sah ich eine Möglichkeit, eine dieser Ideen zu verwirklichen. Eine Arbeit mit Stühlinger Geschichte(n), die aber auch einen Ausblick in die Zukunft ermöglichen soll:

Die BewohneInnen von Stühlingen sind eingeladen aus ihrem Fundus Eisenteile zu bringen, die mit Erinnerungen verbunden sind. Die Stücke können als Abstraktionen von Lebensberichten verstanden werden. Viele Leute werden vermutlich Assoziationen zu ihrer eigenen Biographie entwickeln, wie z.B. „mit so einem Werkzeug hat doch mein Vater oder meine Mutter auch gearbeitet.“ Meine Aufgabe als Künstler liegt darin, zusammen mit den StühlingerInnen eine in Eisen geschriebene Chronik der Stadt und ihrer
näheren Umgebung zu erstellen. Träger dieser Chronik ist ein halbkugelförmiges Raumgitter. Dieses wurde nach meinem Entwurf von einer Stühlinger Firma hergestellt. Das Gitter hat einen Durchmesser von ca. 3m. Das Gitter steht gut sichtbar am Eingang des Städtchens. Am 4. September 2010 habe ich erstmals Erinnerungsstücke der Stühlinger in das Gitter eingesetzt. Darunter der Rahmen und die Türe des Backofens der ehemaligen Bäckerei Pflanzl. Während Jahrzehnten kamen aus dieser Öffnung tagtäglich die Brote für die Stühlinger. Diejenigen, die sich diesen Schatz aus dem Ofen einverleibt haben, könnten auch darüber berichten, wie das tägliche Brot, die Festtagspezialitäten und die persönlichen Liebhabereien geschmeckt haben. Ein weiteres Stück, das ich an diesem Tag dieser Stühlinger Chronik beigefügt habe,
ist ein Teil der ausgedienten Mechanik des Stauwehrs für das kleine Kraftwerk bei der ehemaligen Schraubenfabrik an der Wutach. Aha! Dass es eine Bäckerei gab, wusste auch ich als benachbarter Schweizer. Aber dass in Stühlingen Strom produziert wird, wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht! Das Streetsart Festival wurde auf den neu gestalteten Strassen und Plätzen der Stühlinger Unterstadt gefeiert.

Der abgenutzte Pickel, den mir einer der Gemeindearbeiter brachte, hat noch auf die alten Strassen und Wege eingewirkt. Geschichte, Gegenwart und Zukunft spielt sich immer auch an Strassen und Wegen ab. Für die ganze Region rund um Stühlingen ist in naher Zukunft ein Strukturwandel zu erwarten. Dieses Gebiet besitzt in
seiner relativen Unberührtheit noch Ressourcen, die in den angrenzenden Ballungszentren Stuttgart und Zürich Begehrlichkeiten wecken werden. Die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte, kann den Stühlingerinnen und Stühlingern dazu verhelfen, dass sie ihre Ressourcen selbstbewusst und nachhaltig in ihre zukünftige Entwicklung einbringen können.

Beggingen, im September 2010
Vincenzo Baviera


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Peter Klein
am Adlerrank

Kunst als Mittel der Balance, der inneren Einkehr. Der Künstler zitiert den Bezug zu Stühlingen: " An dem Ort, an dem Konflikte blutig ausgetragen (Schweizerkrieg), Ungerechtigkeit und Unterdrückung einen Flächenbrand ausgelöst haben (Bauernkrieg) und eine bedeutende jüdische Gemeinde am Leben gehindert und vertrieben wurde, möchte meine Arbeit den Blick richten auf eine Gesinnung, in der der Mensch gewürdigt und in seiner Bedürftigkeit wahrgenommen wird.(..) Die Rückseite dieses Ensembles ist farbig gestaltet, so dass die Arbeit  auch aus der Ferne wahrgenommen werden kann; ein Lebenszeichen hinunter ins Tal und hinüber in die benachbarte Schweiz". Über den Stelen schweben vier waagerechte Trägereisen, an denen Isolatoren befestigt sind. Sie dienten einst der Kommunikation im Wutachtal. Und so wundert es nicht, dass Peter Klein sein Werk mit dem Titel "Begegnungen" belegt.


Peter Klein: Begegnungen
 
Die verschiedenen Ansichten: vom Rathaus ...
       ... aus dem Tal

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Gerhard Schwarz
im Kirchpärkle

arbeitet mit Keramik als Basis, zu welcher er im weitesten Sinne auch den Backstein zählt. Die Steine, welche Gerhard Schwarz in seinem Kunstwerk verarbeitet hat, haben zudem noch einen geschichtlichen Bezug zu Stühlingen. Sie stammen nämlich aus Abbruchmaterial eines historischen Gebäudes in der Altstadt. Einzelne Handabdrücke auf den Steinen zeugen davon, dass sie handwerklich hergestellt wurden.

Die Geschichte, welches sein Kunstwerk erzählt, handelt von der Veränderung.

Früher waren Geld und Macht im Schloss, also ganz oben. Handel und Handwerk siedelten im Städtle zwischen stattlichen Bürgerhäusern. In der Unterstadt waren eher die Armen der Bevölkerung zu finden, diese Menschen mussten "hochschauen". Aber die Zeiten haben sich geändert: Heute ist das Schloss verwaist und steht zum Verkauf, das Städtle ist weitgehend ohne Handwerk und Handel, die einst stattlichen Bürgerhäuser  sind teiweise renovierungsbedürftig. Die in Bronze gefertigten, im Kreis angeordneten Figuren deuten darauf hin, dass dort die Verwaltung und der Stadtrat tätig sind. Die Mehrheit der Menschen lebt heute in der Unterstadt, dort sind auch Handel, Gewerbe und Industrie angesiedelt. So verwundert es nicht, dass auch dort die Mehrheit der die Menschen darstellenden Bronzefiguren angeordnet sind.




Gerhard Schwarz bei den Erläuterungen zu seinem Kunstwerk


Eine der filgranen Bronzefiguren, welche in das Kunstwerk integriert sind.


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Hans Russenberger
in der Kalvarienbergstraße

Im Rahmen des Projekts "Kunst im öffentlichen Raum" ist ein weiteres Kunstwerk zu verzeichnen, welches jedoch bereits im Mai enthüllt wurde.
Geschaffen hat es der aus Schleitheim stammende Bildhauer Hans Russenberger.

Der Blick der "Liegenden" zeigt in die Richtung seiner Heimat. Dort sind aus dieser Familie dieser Statue noch zwei weitere Exemplare zu sehen. Gemeinsam deuten sie darauf hin, dass sich Kunst im öffentlichen Raum nicht an Ländergrenzen reibt.


Hans Russenberger bei der Enthüllung im Mai 2010


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In eigener Sache

Die Korrektur erfolgt kurzfristig, gemeinsam mit aktuellen Bildern der einzelnen Kunstwerke und ausführlichen Beschreibungen durch die Künstler.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.