Kunst und Fotografie

Die literarische Hinwendung zur Photographie begann 1974, als die internationale Kunstszene die Photographie als genuine Kunstform entdeckte. Bereits die Maler der Pop Art hatten das photographische Bild in ihre Malerei integriert, dort transformiert in der Technik des Siebdrucks. In den Kunstvereinen, bald auch in den Museen der Gegenwartskunst wurden erste Ausstellungen zur Geschichte der Photographie, insbesondere der klassischen Moderne gezeigt: Sander, Krull, Henri, Bloßfeldt, Atget - um nur einige Namen zu nennen. Photo-Galerien entstanden, photographische Originalabzüge, „vintage prints”, erzielten bei Auktionen Preise wie hochkarätige Originalgraphiken.

Die möglichst ungekünstelte Präsenz des Wirklichen in der Photographie zählt für uns zu den Sonderleistungen der Fototechnik. Diese Wirklichkeit wird in den Händen des Photographen zu einer unvergleichlichen Bilderfahrung.

Fotografien des Künstlers Lutz Franz

Die Fotografien von Lutz Franz eröffnen für uns eine neue Welt des "Sehens".

"Ich betrachte das Bild als einen neuen Gegenstand, den man um seiner eigenen Bedeutung und seiner eigenen Schönheit willen betrachten soll.”

Aaron Siskind (1903-1991)

Unsere erste Ausstellung mit Fotografie widmet sich den Werken des Künstlers Franz Lutz aus Höchenschand. Wenn man als Sohn einer Textdichterin und eines Komponisten aufwächst hat man fast keine andere Wahl, künstlerisches Potential ist einem in die Wiege gelegt. Zumal auch die Großmutter eine anerkannte Kunstmalerin war.

Im Alter von 10 Jahren die erste Agfa-Box und zur Konfirmation eine Rolleiflex. Mit dieser Profikamera begann für Lutz Franz die künstlerische Laufbahn. Nach der Gymnasialzeit wurde er Volontärschüler bei Adolf Lazi (Fotograf und Bildhauer (1884-1955), gründete 1950 die „Internationalen Schule für Höhere Photographie“ in Stuttgart).

Adolf Lazis Leitsatz: "Ich muß die feinsten Regungen des Lichtes auf meiner großen Mattscheibe sehen und kontrollieren können. Mein Grundsatz im Fotografischen ist die Fassung in höchster Vollendung technisch wie gestaltlich. Nur dann glaube ich von wirklicher Fotografie reden zu können, von Fotografie in ihrer höheren Form."

Betrachtet man die Die Fotografien von Lutz Franz stell man fest, der 1944 geborene hat diesen Grundsatz verinnerlicht, er konzentriert sich auf den Bildausschnitt und verwandelt unbeachtete, alltägliche Dinge in eigengesetzliche, abstrakte Kompositionen mit malerischer Qualität. Kunst ist ein Mittel des Ausdrucks, Lutz Franz macht somit Fotografie zur Kunst.

Licht und Schatten: die Details der Säulen des Doms in St. Blasien hat man so noch nicht gesehen. Fotografie war nach Meinung des Künstlers jedoch mehr als die Auswahl des Motivs oder die korrekte Beleuchtung. Lutz Franz ergänzte das "Lazi-Diplom" durch eine handwerkliche Ausbildung zum Fotografen und anschließend zum Layouter. Das brachte ihn in die Welt der Werbung, die eigene Agentur betrieb er bis in die 90iger Jahre. Dann zog es Lutz Franz in den Schwarzwald. Der Rückzug aus der Werbung brachte die Zeit für das Fotografieren zurück.

Heute erarbeitet der Künstler Symbiosen aus Malerei und Skulptur. Die ausgestellten Werke zeigen ein breites Spektrum seines Schaffens.

Lutz Franz ist seit 2002 Mitglied im Internationalen Kunstforum der Schweiz und seit 2003 Mitglied der Künstlergilde in Deutschland.
2008 erscheint ein Bildband mit Fotografien des Doms von St. Blasien, welcher eine große Ausstellung im Dom begleiten wird.



Lutz Franz: Fotoskulptur zum Thema "Zeit-Wasser-Raum"
(Kunstwettbewerb der Stadt Schwerte 2003)


Trotz der Tatsache, dass es sich bei der Ausstellung nicht um eine Werksausstellung mit Lutz Franz handelt, zeigt die Präsentationen seiner Werke sehr verschiedene Charaktere welche sich teilweise auch zeitlich überschneiden.

Schwarz-Weiss wechseln sich ab mit Frottagen, Collagen und nachträglich chemisch bearbeiteten Fotografien. Themen wie die starke Verbundenheit zur Natur, hochästhetische Akte oder architektonische Details wechseln sich ab.

Die Fotografien von Lutz Franz sind verhaltene Bilder, die die Erfahrung des wiederholten Sehens benötigen. Zum Teil muss man ihre Fremdheit erst durchdringen, ehe sie sich öffnen. Dann wieder die große Schönheit ihrer Nuancierungen und ihrer formalen Rhythmik, welche versucht über die Fremdheit anderer Werke hinweg zu täuschen. Das vertieft den Eindruck der verschlossenen Charaktere der Frottagen und Collagen, mit welchen Lutz Franz versucht, die technischen Möglichkeiten des Apparates zu überschreiten. Es verändert den Gesamteindruck der Ausstellung.


Lutz Franz schlendert mit seiner Kamera durch unsere Räume und präsentiert anschließend Bilder, welche die gewohnten Dinge des täglichen Umfelds in einem völlig veränderten Kontex gestaltet, neu definieren.

So auch die bei uns bereits ausgestellten Fotografien des Doms in St. Blasien, bei denen er größten Teils auf künstliches Licht völlig verzichtet hat. Ohne das Wissen um was es sich bei den Aufnahmen handelt kommt der Betrachter ins Rätseln. Die Aufnahmen zeigen Licht und Schatten an Details der Architektur des Doms, wie sie nur Fotografien zeigen können. Der schweifende Blick hält für einen Moment inne und zeigt das Wesentliche des Augenblicks, erstarrt in der Fotografie. Lutz Fanz hält auf seinen Fotografien die Zeit an! Jedes dargestellte Abbild der jeweiligen Momente ist in seiner Art und Weise ein Unikat. Unwiederbringlich vergangen oder in einem ganz anderen Licht ... !

Mit digitaler Nachbearbeitung komponiert Lutz Franz Bilder welche auffordern, ganz genau hinzusehen. So entdeckt der Betrachter Details welche Perspektiven eröffnen, die durch flüchtigesWahrnehmen nicht zu erlangen sind. Dann wieder Aufnahmen welche digital nachbearbeitet anmuten, dem geduldigen Betrachter aber eröffnen, dass sie der Blick durch das bunte Glas eines Kirchenfensters sind.

Lutz Fanz, ein Künstler mit vielen Gegensätzen!

 

 

Badische Zeitung 21.12.2007

Frottage

Glas

Bilder der Ausstellung